Geschichte
Seit 1694 bringen wir für Sie Qualität in den Keller
Stellen Sie sich vor: Als unsere Vorfahren erstmals Wein über den Gotthard von Italien in die Schweiz brachten, regierte Sonnenkönig Ludwig XIV. über Frankreich, und in Navarra und in Dresden begann die Hochblüte des Barockzeitalters. Seit je lebt der Wein am Puls der Zeit, hinterlässt Spuren in den Chroniken der Weltgeschichte und in bittersüssen Tagebucheinträgen. Die Kraft des Weines liegt in seiner Herkunft. Wenn wir einen Wein ins Sortiment aufnehmen, dann tun wir dies als Winzerfamilie und Weinhandelshaus mit über 300 Jahren Erfahrung.Und Sie geniessen die Sicherheit, dass wir seine Herkunft kennen und uns für seine Echtheit und Qualität verbürgen. Seit Generationen für Generationen.
Der Gründer
Im Jahre 1686 ist Jakob Castell aus dem "Augstal" zum ersten Mal in Schwyz nachweisbar, er bezahlte damals die übliche Taxe als "Tolerierter" (Saisonnier würde man heute sagen). 1694 war die Taxe doppelt so hoch, Jakob Castell war "Jahrgelter" (Jahresaufenthalter) geworden und damit beginnt die Geschichte des castellschen/schulerschen Handelsunternehmen, der heutigen Weinhandlung Schuler.
Jakob Castell (gest. 1728) kam aus Cressonay im Tal der Lys, einem Seitental des Aostatals, das seinen Namen vom Lyskamm im Monte-Rosa-Massiv bekommen hat und das 500 Jahre früher von deutsch sprechenden, alemannischen Walsern besiedelt worden war. Er war, wie viele aus seinem Tal, das auch "Krämertal" genannt wurde, ein wandernder Kaufmann, ein Tuchhändler, der in den Wintermonaten die angestammte Heimat verliess, um fernab von der Familie seinen Geschäften nachzugehen, auch in Schwyz.
Die vollberechtigten Neubürger wurden dem Muotathaler Viertel zugeteilt, mussten eine Einkaufsumme von 1400 Gulden bezahlen und jeder Pfarrei des Alten Landes Schwyz ein Messgewand spenden, der Mutterpfarrei Schwyz ausserdem zwei Livitenröcke. Sein Sohn, Bruderschaftsvogt Johann Jakob Castell I. (gest. 1776), und sein Enkel, Richter Johann Jakob Castell II. (1738–1811), entwickelten das Geschäft weiter.
Zwei grosse Promotoren
Die grossen Promotoren der heutigen Firma waren dann aber Salzdirektor Johann Jakob Castell III. (1760–1822), Sohn des Richter, Schwiegersohn Josef Anton Schuler-Castell (1775–1850), die das Geschäft eröffneten und neben dem Tuchhandel auch ins Wein-, Käse- und Bankengeschäft einstiegen.
Josef Anton Schuler war ein Nachfahre von Hans Schuler aus Ernen im Wallis, der sich um 1500 in Rothenthurm niedergelassen hatte. Er gehörte dem Rat an, war Gesandter und Salzdirektor. Das Geschäft lieferte dem Staat Uniformen und Weibelröcke, den Klöstern Kutten, für die Reichen aber auch feine, modische Stoffe, die man aus der Schweiz, Frankreich, England, Deutschland und Osteuropa bezog. Dazu handelten Castell/Schuler auch mit Käse, Wein, Gewürzen und sogar Schokolade; die beste kam damals aus Spanien. Und sie bauten ein Filialnetz, mit Niederlassungen in Bellinzona, Magadino, Intra am Langensee und in Mailand, auf.
Wein gegen Käse
Zwischen 1816 und 1820 wurde das Tuchgeschäft aufgegeben. Die Textilbranche litt unter einer Krise und es fand sich niemand in der Familie, der die Tuchgeschäfte weiterführen wollte. Die Hauptursache lag wohl aber in den rasch wachsenden neuen Tätigkeiten, denen sich Johann Jakob Castell und sein Schwiegersohn Josef Anton Schuler nach 1800 zugewandt hatten, dem Käse- und Weinhandel und den Bankgeschäften.
Castell/Schuler kauften die Alpkäse in Schwyz, Ob- und Nidwalden, auch etwa im Oberwallis und im Entlebuch, spedierten sie über den Gotthard und verkauften sie auf den oberitalienischen Märkten.
Besonders beliebt waren zeitweise die Muotathaler Alpkäse. Im Käsegeschäft war das Kloster Engelberg ein wichtiger Partner. Der Abt lieferte nicht nur Klosterkäse, sondern kaufte den beim Einmarsch der Franzosen in die Freiheit entlassenen Kosterleuten ihre Käse zur Weitergabe an die Exporteure Castell/Schuler ab. Durch die französische Besetzung war die Schweiz stark verarmt, der Käseexport bot daher eine sehr willkommene Einnahme.
Trotz politischer Wirren, Helvetik, Mediation, napoleonischer Kriege und Kontinentalsperre konnte der Käsehandel vorangetrieben werden. Jährlich wurden bis 17000 Laibe, davon 6000 aus Engelberg, exportiert. Es war Sbrinz, man nannte die Käse aber nach der Transportverpackung "Spalenkäse". Sechs Laibe wurden in ein Tannenholzfässchen, "Spalen" genannt, verpackt, zwei Spalen bildeten die Seitenlasten eines Saumtiers. Auf dem Rückweg brachten die Fuhrwerke und Saumtiere Wein, Reis, Kastanien, Branntwein, Honig, Salami, Geflügel und andere Güter nach dem Norden.
Die Transportwege
Im Verkehr von und mit Italien wurden die Güter mit Schiffen auf dem Langensee befördert (Intra und Magadino waren die wichtigen Umschlagplätze) und dann von Fuhrwerken bis Faido gebracht, von wo sie von Saumtieren übernommen wurden. In Amsteg erfolgte ein weiterer Umlad auf Fuhrwerke und in Flüelen kamen die Waren nochmals auf Lastschiffe. Der Transport dauerte höchstens fünf Tage, auch die Post war schnell, die Briefe aus Italien trafen in der Regel am Tage nach der Aufgabe ein. Der Bau der ersten Fahrstrasse über den Gotthardpass (1830) brachte eine erste Erleichterung, die Eröffnung der Axenstrasse (1865) eine weitere. Mit Ausnahme von wenigen Tagen wurde auch im Winter transportiert.
Bewegtes 19. Jahrhundert
Das Geschäft wurde in der Folge von Ratsherr Theodor Castell (1799–1870), der meistens in Intra residierte, von seinem Schwager Anton Schuler-Castell (1775–1850) und dessen Söhnen Salzdirektor Anton Schuler-Benziger (1814–1875) und Kantons- und Erziehungsrat Meinrad Schuler (1828–1884) geleitet.
Im Hungerjahr 1817 gelang es dem Unternehmen, das Land Schwyz auf dringenden Wunsch der Regierung mit "Reis und Früchten (das heisst Korn) aus Italien" zu versorgen. Das notwendige Kapital musste vorgeschossen werden und wurde bei einem Zürcher Bankhaus besorgt.
Der Bau der Gotthardbahn (1872–1884) und der Tod von Anton Schuler-Benziger (gest. 1875) brachten eine Verminderung der ausgedehnten Tätigkeiten. Die Lager- und Geschäftshäuser in Bellinzona, Magadino und Intra hatten ihre Bedeutung verloren und wurden aufgegeben, ebenso später, nach einer Reihe von Verlustjahren, das ganze Käsegeschäft.
Das Bankgeschäft
Die Bankgeschäfte begannen mit dem Kontokorrentverkehr. Castell/Schuler liessen sich nicht, wie noch lange üblich, die Goldmünzen über die Berge tragen, sondern man buchte sich die Erlöse gegenseitig gut und bezahlte mit den Einnahmen aus Käseverkäufen die italienischen Produkte und in Schwyz mit dem Erlös aus Wein, Reis etc. den Käse. Sowohl von Schwyz wie auch von der lombardischen Metropole Mailand aus, wo man durch die Tochterfirma Castelli-Borgo Caratti & Co vor Ort vertreten war, betätigte man sich in der Folge mit Goldhandel, mit Wechsel- und Währungsgeschäften, mit Geldüberweisungen für Innerschweizer Militärunternehmer und für Private sowie mit Kreditgeschäften.Ansteigendes Weingeschäft
In den ersten Jahren nach der Jahrhundertwende, vermutlich nach dem definitiven Eintritt von Josef Anton Schuler-Castell (1775–1850), bekam das Weingeschäft steigende Bedeutung. Das Haupteinkaufsgebiet war zwar noch Norditalien (Piemont, Lombardei, Gattinara usw., am unteren Langensee besass man eigene Weinberge, die später bei einer Erbteilung verkauft wurden), schon bald aber wurden Weine aus Frankreich (Bordeaux, Narbonne, Tain, Mâcon etc.), aus dem Rheinland und Breisgau (Markgräfler) und aus Ungarn (Tokayer) geführt.
Besonders gross war die Zahl der Lieferanten in der Westschweiz, in der Ostschweiz und im Tessin. Die Mengen nahmen zu, schon 1807 waren mehr als 20000 Liter über den Gotthard bezogen worden, 1820/1821 waren es 82000 Liter. Verkauft wurden die Weine in der ganzen Zentralschweiz, und zwar an Unterhändler, an Wirte und auch an Klöster und Private.
Das Weingeschäft wurde wie das Bankgeschäft von den Gebrüdern Anton und Theodor Schuler weitergeführt, die 1893 in Seewen, nahe der neuen Gotthard-Bahnstation, eine grosszügig bemessene Kellerei erbauten, 1891 in Luzern eine Niederlassung eröffneten und 1895 an der Kesselgasse in Luzern ein Kellergebäude erwarben. Nach dem Tod von Anton Schuler, 1919, ging das Bankgeschäft, wie wir gesehen haben, an Theodor Schuler. Das Weingeschäft übernahm Theodor Schuler-Real (1881–1954), ein Sohn von Anton Schuler.







