Bordeaux

Bordeaux gibt sich nobel. Das grosse Weinreich an der Gironde ist voll von Grafen und Baronen, voll von strengen alten Hierarchien, an denen niemand zu rütteln wagt, und voller Schlösser, die diesen Ausdruck für sich beanspruchen, ob es sich um Paläste oder Hütten handelt.

Das Bordelais, das Weingebiet rund um die Stadt Bordeaux, gehört zur Region Aquitanien, einem verwaltungstechnischen Gebilde, das fünf ganz verschiedene Départements von der Grösse der Schweiz zusammengefasst hat. Aquitanien erinnert an aqua, Wasser; Bordeaux an bord de l'eau, Ufer des Wassers, Ein wichtiges Weinanbaugebiet heisst Entre-deux-Mers, zwischen zwei Meeren. Gemeint sind die Flüsse Garonne und Dordogne, die das Gebiet begrenzen, zusammenfliessen und als Gironde in den Atlantik münden.

Von entscheidender Bedeutung ist der Boden. Die besten Gewächse gedeihen im Bordelais auf den leichten, mageren Böden mit Kies- und Sandschichten. Diese nährstoffarmen und wasserdurchlässigen Kiesbänder zwingen die Rebe, auf der Nahrungssuche ihre Wurzeln tief in den Boden zu treiben. Das macht sie widerstandfähig und weniger anfällig auf Witterungsschwankungen. Der steinige Boden reflektiert die Wärme und wirkt temperaturausgleichend.

Die Traubensorten des Bordeaux sind vielfältig: Der Cabernet-Sauvignon hat kleine, dunkle Beeren, gibt dem Wein den kernigen gerbstoffreichen Charakter und schenkt ihm Rasse und Langlebigkeit.

Der Cabernet Franc hat grössere und saftreichere Beeren. Früher war er Hauptbestandteil roter Bordeaux, heute wird er vor allem in Pomerol und St-Emilion angepflanzt. Seine Weine sind weicher, haben weniger Gerbstoff, Farbe und Tiefe. Der Merlot bildet mit seiner Geschmeidigkeit und Fülle die ideale Abrundung. Er sit früh reif und oft sehr alkoholreich.

Petit Verdot, die spätreifende Sorte, wird manchmal beigemischt. Sie gibt dem Wein ein stärkendes Rückgrat. Seltener ist die Beigabe von Malbec.

Entre deux mers

"Zwischen zwei Austern ein Entre-deux-Mers"! Dieser Slogan hat den Wein aus dem Gebiet zwischen Garonne und Dordogne in aller Welt bekanntgemacht. Das Entre-deux-Mers-Dreieck ist zu etwa gleichen Teilen mit Wald, Wiesen und Rebgärten bedeckt. Eine verschlafene Gegend ohne richtiges Zentrum, ohne grössere Städte, ohne Durchfahrtsstrasse, dafür mit einem Labyrinth von Landstrassen und geteerten Feldwegen, die sich durch das hügelige und grüne Land winden. Grosse Weinnamen fehlen ebenso wie hohe Preise. Hier legt das Bordelais seine aristokratische Attitüde ab und wird zugänglich für jedermann, der gute, reelle und sympathische Weissweine mag.

Graves

Am Rande der Stadt legten die wohlhabenden Bürger ihre ersten Rebberge an. Die Graves tragen ihren Namen nicht zufällig. Man nimmt an, dass er vom Wort "gravier", Kies abgeleitet wurde, denn der Untergrund ist hier kieshaltiges Schwemmgut der Garonne.

Das Gebiet beginnt in den Vororten von Bordeaux und erstreckt sich am linken Garonne-Ufer über 60 Kilometer. In flachen Tälern fliessen kleine Flüsse der Garonne zu. Im Norden bildet die Jalle-de-Blanquefort die Grenze zum Médoc, im Süden der Ciron zum Gebiet von Sauternes und Barsac.

Aus dem Bekannteren Norden kommen vor allem Rotweine, die zu den besten des Bordelais gehören. Aber auch die trockenen Weissen aus Sauvignon- und Sémillon-Trauben, meist in Barriques ausgebaut, zählen zu den interessantesten, vielschichtigsten und langlebigsten Weissweinen überhaupt. Weiter südlich nehmen die weissen Gewächse überhand. Je näher dem Sauternais, um so schwerer, üppiger, aber auch weicher werden sie und gleichen sich im Südzipfel mit ihrer milden Süsse bereits den Sauternes an.

Médoc

Das Médoc ist eine einsame Lanzunge, 50 Kilometer breit und 100 Kilometer lang. Kein Unwissender würde vermuten, dass in dieser wellenförmigen Landschaft mit verstreuten Dörfern und einsamen Château einige der grössten Weine dieser Welt reifen.

Das Médoc umfasst heute 1600 Weingüter mit 10'000 Hektaren Rebgärten, was dem gesamten Weinbaugebiet des Burgunds entspricht. Hier wächst vor allem Cabernet-Sauvignon, und es wird fast ausschliesslich Rotwein erzeugt. Die Mehrzahl der berühmten Châteaux befindet sich im südlichen Teil, dem Haut-Médoc. Es schliesst sechs Gemeinden mit eingener Appellation contrôlée ein: Saint-Estèphe (1300 ha), Pauillac (950 ha), Saint-Julien (750 ha), Listrac (520 ha), Moulis (350 ha) und Margaux (1050 ha). Diese sechs Gemeinden machen rund die Hälfte des ganzen Médoc-Anbaugebietes aus. Das nördlichere Bas-Médoc kann nicht mit Crus Classés auftrumpfen, hingegen mit zahlreichen guten Crus-Bourgeois und immer mehr ehrgeizigen Weingütern und Kleinstwinzern.

Bei all diesen klassifizierenden Unterteilungen sei nicht vergessen, dass auch der bescheidenste Médoc aus einem der besten Rotweingebiete der Welt und aus den hervorragendsten Rebsorten überhaupt stammt. Jeder Médoc hat die Veranlagung zu einem überdurchschnittlichen Wein.

Pomérol

"Auch wenn einige Autoren seine Geburt ins Mittelalter oder gar in die gallorömische Epoche vorverlegen wollen, muss ich gestehen: Pomerol ist ein junges Werk im Repertoire der grossen Weine dieser Welt", erklärt Bernard Ginestet, der bekannte Autor aus Bordeaux, in seinem dieser Appellation gewidmeten Werk. Tatsächlich hat Pomerol erst Ende des 19. Jahrhunderts so richtig zum Weinbau gefunden.

Woran liegt es, dass die Weine aus Pomerol seit einigen Jahren zu den gesuchtesten Gewächsen der Welt gehören? Einerseits sicher am perfekten Zusammenspiel von Klima, Boden und Traubensorte. Andernseits aber im Qualitätsbewusstsein der Winzer, dem Willen, ihre Weine an die Spitze zu bringen. Und vielleicht auch am veränderten Konsumverhalten. Viele Weinfreunde scheinen heute allgemein weniger Finesse, Eleganz und Zurückhaltung im Wein zu suchen als vielmehr Körper, Geschmeidigkeit und ausdrucksstarke Kraft. Dieser Tendenz kommt Pomerol eindeutig entgegen!

Saint Emilion

Saint-Emilion, ein Kapitel Weinbaugeschichte

Die Römer haben die Rebe auf ihrem Eroberungsfeldzug 56 n.Ch. nach Gallien gebracht. Offensichtlich wurden sie sich schnell bewusst, wie vorteilhaft das Klima Aquitaniens für den Weinbau ist, denn dreihundert Jahre später singt der gallo-römische Poet Ausone: "Gegrüsst seist Du, oh Vaterland, durch den Weingott berühmt".

Historisch verbürgt ist, dass die Anhöhen rings um Saint-Emilion schon im vierten Jahrhundert nach Christus ganz von Reben überwachsen waren. Seinen heutigen Ruf erhielt Saint-Emilion indessen erst Mitte des 19. Jahrhunderts, kurz vor der Reblauskatastrophe, aber nach der berühmten Klassifizierung von 1855, die seine Weine folglich unberücksichtigt liess.