Italien
In kaum einem andern Land ist Wein mit solcher Selbstverständlichkeit allgegenwärtig wie in Italien. Viele Gebiete scheinen ein einziger Weingarten zu sein. Reben, wohin das Auge schaut - kleine Parzellen bis hoch in die Bergtäler hinauf, Rebberge wie Teppiche über den sanften Hügeln Mittelitaliens, Rebpflanzungen auch in den dürren Ebenen des Südens. Und Wein prägt den italienischen Alltag, steht zu jedem Essen auf dem Familientisch und gilt in der Trattoria vielerorts als Bestandteil des Gedecks - wie Wasser und Brot. Die Alltäglichkeit des Weins in Italien ging lange Zeit Hand in Hand mit einer gewissen Unbedenklichkeit im Umgang mit der reichlich fliessenden Gabe der Natur. Seit den 70er Jahren ist ein Umdenken zu beobachten. Der Methanol-Skandal und die Kunstwein-Affäre Mitte der 80er Jahre waren Ausnahmen, gravierende zwar, aber nicht charakteristisch für das steigende Qualitätsbewusstsein vieler Erzeuger. Italiens Weinbau und Weinqualität weisen eine auffallende Parallele zur Wirtschaftsstruktur des Landes auf: Das Beste wächst im prosperierenden Norden und in der Toskana, während der Südteil weniger Erregendes bietet. Nord-Süd-Ausdehnung vom Splügenpass bis Reggio di Calabria beträgt 950 km, und bis zur Südspitze Siziliens sind es 1'100 km. Die Weinberge liegen in Gebieten mit recht verschiedenen Klimabedingungen. Vom Norden bis nach Mittelitalien können sich erhebliche Jahrgangsschwankungen einstellen. In Südsizilien herrschen meist Verhältnisse wie in Nordafrika.







