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Die Reblaus und ihre Folgen - die wenigen Überlebenden der Reblauskatastrophe

Seit dem Überfall der Reblaus auf Europa steht in der Weinwelt kein Stein mehr auf dem anderen, oder genauer gesagt fast keine Rebe mehr auf ihren eigenen Wurzeln. Heute wachsen 85 % aller Kulturreben dieser Welt auf amerikanischen, reblausresistenten Unterlagen. Es gibt aber auch einige, die heute noch auf ihren eigenen Wurzeln stehen. Das sind einerseits einige Überlebende der Katastrophe und andererseits reblausresistente amerikanische Reben, die zur Wein- und Tafeltraubenherstellung verwendet werden, so genannte Direktträger.

Echte Wurzeln – besserer Geschmack?

Als die Pioniere der Reblausbekämpfung daran gingen, die Weinwelt durch Verwendung amerikanischer Unterlagsreben zu retten, gab es bei vielen Winzern eine Befürchtung. Sie hatten Angst, dass die Unterlage, deren eigener Wein als minderwertig angesehen wurde, der Qualität schaden könnte. In so manchen Kamingesprächen bei einem Glas Wein wird dieser Einwand auch heute noch erhoben. Andererseits gibt es regionale Weinraritäten aus amerikanischen Züchtungen, deren Foxton die gewünschte Spezialität der Weine erst ausmacht.

Grundsätzlich liess die Reblaus der Qualitätsdiskussion keinen breiten Raum. Die Verwendung von reblausresistenten Unterlagen war eine Frage des Überlebens und nicht eine Frage des Geschmacks. Heute, mehr als 100 Jahre später, ist das Thema intensiv erforscht. Den Winzern stehen ausgezeichnet an Klima, Böden und Rebsorte angepasste, gegen viele Schädlinge und Krankheiten resistente Unterlagen zur Verfügung. Gesunde und hervorragend an das Terroir angepasste Pflanzen erbringen sicher das beste Rebgut.

Wir wissen heute nicht, wie sich der europäische Weinbau ohne Reblaus entwickelt hätte. In einigen von der Reblaus verschonten Gebieten werden aber nach wie vor wurzelechte Reben kultiviert. Durch Anpassung an Ihre speziellen Terroirs haben diese Reben zwar individuelle geschmackliche Qualitäten entwickelt, ein Vergleich ist aber doch spannend und gleichzeitig beruhigend. Egal ob wurzelecht oder auf Unterlagsrebe, es gibt hier wie dort ganz hervorragende Weine und hier wie dort auch andere.

Die letzten wurzelechten Europäer

Der grösste Teil der überlebenden europäischen Kulturreben gedeiht nicht in Europa. Das einzige Land, das bis heute komplett von der Reblaus verschont und deshalb vollständig wurzelecht geblieben ist, ist Chile. Diesen glücklichen Zustand verdankt das Land seiner geographischen Abgeschiedenheit und der tatkräftigen Arbeit des Franzosen Claudio Gay. Er überredete die chilenische Regierung bereits 1830 dazu, eine eigene landwirtschaftliche Versuchsanstalt unter anderem auch für europäische Reben einzurichten. Dadurch kam Chile in den Besitz einer eigenen Vinifera-Population, noch bevor Echter Mehltau und Reblaus zu wüten begannen. Bis heute gelten in Chile besonders strenge Quarantänebestimmungen für die Einfuhr von Rebpflanzen.

Durch strenge Quarantänebestimmungen gelang es auch in einigen Gebieten Südaustraliens, die Reblaus zu verhindern. Dort kann man heute noch fast 150 Jahre alte Shiraz-Reben finden. Die Kombination von sehr sandigen Böden und Überflutungsbewässerung bewahrte Teile Argentiniens vor der Reblaus. Trotzdem werden seit einigen Jahren kaum noch wurzelechte Reben neu gepflanzt, weil durch den Umstieg auf Tröpfchenbewässerung die Gefahr eines Befalls steigt. Der relativen Abgeschiedenheit verdanken es Länder wie China, Indien, Pakistan oder Afghanistan, einige Mittelmeerinseln wie Kreta, Zypern oder Rhodos, oder die kanarischen Inseln, dass sie vor der Reblaus bis heute verschont blieben.

Es gibt aber auch auf dem europäischen Festland noch einige reblausfreie, wurzelechte Enklaven. Der Grund dafür sind sehr sandige Böden, die der Reblaus überhaupt nicht behagen. Dazu gehören Gebiete an der Mosel in Deutschland und Teile Ungarns. In Spanien findet man uralte, wurzelechte Reben noch in der Region Toro oder in Yecla

Wurzelechte Raritäten kommen aus der portugiesischen Region Colares. Auf kargen, sandigen Böden auf den Klippen über dem Atlantik werden aus raren heimischen Sorten traditionell leichte, elegante Weine gekeltert.

Amerikanische Direktträger

Im Kampf gegen die Reblaus wurden auch amerikanische Reben selektioniert und weiter gezüchtet, um bessere Geschmacksqualitäten bei gleichzeitiger Reblausresistenz zu erzielen. Man nennt diese Reben Direktträger, weil Sie eben nicht auf reblausresistente Unterlagen gepfropft werden müssen. In manchen Gebieten, so z.B in New York oder in Japan, werden reine amerikanische Direktträger heute gezielt und intensiv kultiviert, als Tafeltrauben aber auch zur Weinherstellung.

Für viele Weintrinker ist der Genuss wegen des typischen Foxtons zweifelhaft oder zumindest ungewohnt. Regionale Spezialitäten aus Amerikanerreben gibt es aber auch in Europa. So wurden etwa im Südburgenland oder in Venetien amerikanische Direktträger wie Isabella, Delaware, Concord, Elvira und Ripatella kultiviert und verarbeitet. Lange Zeit nur den Einheimischen vorbehalten, gelten der Uhudler oder der Fragolino heute als regionale Tafelwein-Spezialitäten, die jeder Weinkenner zumindest einmal verkostet haben sollte.

 


 

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